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VELUX-Gruppe: Beleuchtung der Arbeitssicherheit

Veröffentlichung: 2014


Im Rahmen eines umfangreichen Programms konnte die VELUX-Gruppe die Sicherheit in mehr als 20 Produktionsstandorten und Warenhäusern weltweit mit Hilfe des Arbeitssicherheitsberaters DuPont Sustainable Solutions auffrischen.


Die VELUX-Marke ist ein Name, der in der gesamten Bauindustrie für Dachfenster, Skylights und Rollläden bekannt ist. Weniger bekannt ist hingegen, dass die VELUX-Gruppe ihre Geschäfte basierend auf dem sogenannten “Model Company Objective”, also Modellunternehmensziel führt. Die Definition hierfür ist ein Unternehmen, das mit Produkten arbeitet, die nützlich für die Gesellschaft sind, und das seine Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter aller Kategorien und Aktionäre besser als der Großteil der anderen Unternehmen behandelt. Ein weiteres Merkmal der VELUX-Gruppe ist der Unternehmenswert, der auf lokalen Initiativen liegt, dem Schaffen von Flexibilität für die Produktionsstätten in mehr als 11 Ländern.


Im Jahr 2009 stellte Kim Jonas, VELUX Health, Safety and Environment Manager, fest, dass die Arbeitssicherheitsleistung über die gesamte Gruppe hinweg stagnierte. “Wir hatten eine recht ordentliche Sicherheitsleistung; wir hatten an unseren Standorten mit dem OHSAS-Sicherheitssystem gearbeitet und jahrelang Spätindikatoren und Leistungskennzahlen (KPIs) auf Unternehmensebene verwendet, um Anforderungen festzulegen. Wir arbeiten nicht in einer Branche mit gefährlichen Stoffen wie z. B. der Chemieindustrie. Unsere Sicherheitsrisiken entstehen hauptsächlich durch Schneidearbeiten, Arbeiten in großen Höhen, Wartungsarbeiten, Gabelstapler sowie Reinigungs- und Transportaufgaben. Man sollte also meinen, die Risiken seien gar nicht so groß. Dennoch verloren jedes Jahr Mitarbeiter Finger durch die Holzbearbeitungsmaschinen.”


Die VELUX-Gruppe ist bestrebt, ihre Mitarbeiter besser zu behandeln als andere Unternehmen, also wollte man eine Lösung für diesen Stillstand finden und beschloss, einen Experten für die Arbeitssicherheit zurate zu ziehen. “Wir brauchten einen Berater, der uns sowohl bei der Entwicklung von Strategien und Programmen auf Unternehmensebene helfen konnte, als auch bei der lokalen Umsetzung der Unterstützung in all unseren Standorten in der jeweiligen Landessprache, von Frankreich bis Ungarn, Dänemark bis Amerika oder Russland”, so Jonas. Die VELUX-Gruppe wandte sich an DuPont Sustainable Solutions (DSS), den mit Beratungen in Fragen der Arbeitssicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit befassten Zweig eines anerkannten weltweiten Marktführers in Sachen Sicherheit: DuPont.


DSS begann 2010 damit, an vier ersten Standorten Sicherheitsprüfungen durchzuführen. Diese umfassten eine Umfrage zur Wahrnehmung der Mitarbeiter, welche ergab, dass zu viele Mitarbeiter es regelmäßig mit der Sicherheit nicht ganz so genau nahmen. Die Arbeit im Werk erfolgte in einer “abhängigen” Arbeitssicherheitskultur. Mit anderen Worten: Die Mitarbeiter befolgten Sicherheitsregeln, taten dies jedoch, ohne die Arbeitsprozesse selber zu durchdenken. Die Gruppe konzentrierte sich auf technische Sicherheit und Spätindikatoren. Die Sicherheit wurde häufig nicht durch das Line-Management, sondern durch Sicherheitsexperten vorangetrieben, und dies zeigte sich auch in der Sicherheitsorganisation von VELUX.


Nachdem DSS die Erkenntnisse der Beurteilung der ersten vier Standorte an die VELUX-Gruppe weitergegeben hatte, stellte das Unternehmen fest, dass ein globales Programm erforderlich ist, das sich an alle Standorte richtet.



Entwickeln einer Management-Perspektive zum Thema Sicherheit



Während VELUX begann, auf Konzernebene unternehmensweite Sicherheitsstandards zu erarbeiten, waren die Standorte selbst sehr stark an der Definition dieser gemeinsamen Standards beteiligt. Parallel dazu plante DSS, die Einführung des Programms an den jeweiligen Standorten in Wellen durchzuführen. Bei den verschiedenen VELUX-Standorten gibt es massive Größenunterschiede. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl eines VELUX-Produktionsstandortes liegt bei rund 300, während manche allerdings mit über 1000 Mitarbeitern wesentlich größer sind. Der kleinste Standort hingegen beschäftigt gerade einmal 60 Mitarbeiter.


“Es war ein Mammutprojekt” gesteht DSS-Programmmanager Esat Birgen. “Die Standorte hatten alle unterschiedliche Sicherheitsniveaus. Wir mussten ein konzernweites Programm entwickeln und an Standorten einführen, die in der Regel lokal verwaltet wurden. Es war von zentraler Bedeutung, das Gleichgewicht zwischen Regulationen auf konzernweiter und lokaler Ebene zu finden und dabei dennoch sicherzustellen, dass am Ende alle dieselbe Sicherheitssprache sprechen und verstehen würden.”


Über die Lebensdauer des Projekts hinweg unterstützte ein DSS-Team von 15 verschiedenen Beratern die lokalen Standorte in neun verschiedenen Sprachen. Jeder Produktionsstandort wurde dabei unterstützt, eine Einschätzung der Unterschiede durchzuführen, um den aktuellen Status Quo der Sicherheitskultur zu ermitteln und die Relevanz geplanter Aktivitäten zu prüfen. DSS schulte Manager und Aufsichtspersonen und unterstützte die Einrichtung einer lokalen integrierten Sicherheitsorganisation, die sich aus einem Projektleiter, einem Sicherheitskomitee, untergeordneten Komitees und lokalen Ausbildern zusammensetzt. Außerdem führten die Berater nach 12 Monaten Beurteilungen des Fortschritts durch, um zu sehen, ob Verbesserungen erkennbar sind.


Wie Kim Jonas erklärt, waren “viele unserer Standorte der Ansicht, dass sie bereits ein gutes Verhalten an den Tag legten, doch die Leistungskennzahlen (KPIs), die die Unternehmensleitung anlegte, wurden zunehmend strenger. Man verfügte lokal nicht über die Ressourcen, um die erforderlichen markanten Verbesserungen an der Sicherheitskultur vorzunehmen. Das neue “Safety Excellence”-Programm (Programm für höchste Sicherheitsstandards) gab ihnen eine Management-Perspektive zum Thema Sicherheit, die sie zuvor nicht hatten. Mit diesem Projekt konnten wir helfen, die lokalen Kompetenzen anzuheben. Dies wäre für die Standorte alleine schwierig gewesen.”


Es war für VELUX schon immer sehr wichtig, dass die vorgenommenen Veränderungen an der Sicherheit auch nachhaltig sind. Man wollte sicherstellen, dass die Projektergebnisse keine einmaligen Erfolge, sondern eine dauerhafte Verbesserung sind. Esat Birgen sagt: “Unser Ansatz ist es, lokale Teams so zu trainieren, dass sie selber lokale Verfahren entwickeln und umsetzen können, die auf konzernweiten Standards basieren, und wir schulen interne Trainer, die dann dafür verantwortlich sind, die Mitarbeiter anzuleiten.”


Inzwischen gingen VELOX und DSS eine Partnerschaft mit dem Management des “Safety Excellence”-Programms am Østbirk-Standort in Dänemark ein, um Schulungsprogramme für Manager, Supervisor, Mitarbeiter und Sicherheitsexperten zu entwickeln, in Schüben Seminare für alle Standards abzuhalten, lokale Aktivitäten zur Nachbereitung zu organisieren, die oberen Führungskräfte zu schulen, eine Beurteilungsmethode für die Sicherheitskultur einzurichten und Personen zu schulen, die die Situation anhand dieser beurteilen.



Ein Wandel am Sicherheitsbewusstsein



Die oberen Führungskräfte der VELUX-Produktionsunternehmen haben infolge all dieser Aktivitäten einen deutlichen Wandel ihres Sicherheitsbewusstseins durchlaufen. Sie haben sich seither sehr stark in alle Sicherheitsanstrengungen eingebracht und nehmen jetzt regelmäßig an Sicherheitstouren teil, die Führungskräfte mit der lokalen Belegschaft verbinden. Wie es George Walker, der General Manager des VELUX-Standorts in Rostov, Russland, ausdrückt: “Wir haben jetzt ein gemeinsames Verständnis von Sicherheit. Es ist nicht nur etwas Offizielles und Formelles in einer Tabelle, sondern vielmehr ein Teil unseres alltäglichen Arbeitslebens. Dabei werden Sicherheitsdiskussionen als natürlicher Teil von Meetings und Aktivitäten über das gesamte Werk hinweg abgehalten.”


Einen ähnlichen Wandel des Verhaltens stellte Zoltán Vincze fest, General Manager des LKR-Werks in Ungarn, der größten Fertigungsstätte der VELUX-Gruppe. “Üblicherweise achten wir Ungarn nicht so sehr auf unsere Gesundheit und Sicherheit, also waren unsere Mitarbeiter ziemlich skeptisch, und es hieß oft: ‚Ich mache das schon seit 20 Jahren so, und bisher ist immer alles gut gegangen”, sagt er. “Der Wendepunkt war die Schulung der Mitarbeiter. Seitdem hat sich das Verhalten unserer Mitarbeiter spürbar geändert, und sie fragen nach weiteren Informationen und möchten sich mehr einbringen und selber einen Beitrag leisten.”


Dies bestätigt Rozsits Gábor, ein Mitarbeiter am selben Standort. “Das Schulungsvideo über den Mann, der durch einen Arbeitsunfall sein Augenlicht verloren hat, brachte mich wirklich zum Nachdenken. Er ist erblindet, weil er keine Schutzbrille aufhatte. Es war ein ziemlicher Schock, zu sehen, dass ein einziger kleiner Fehler so verheerende Auswirkungen auf das eigene Leben und das Leben der Arbeitskollegen haben kann. Ich denke, der Weg zu null Industrieunfällen ist es, dass die Mitarbeiter immer über bestimmte Sicherheitsfragen sprechen, sich Vorschläge für notwendige Maßnahmen und Schulungen einfallen lassen und diese dann mit dem Management besprechen. Auf diesem Weg können wir Teil der Lösung sein.”



Feststellen von Verbesserungen



Die VELUX-Gruppe ermutigt die Mitarbeiter, sich einzubringen, indem sie Belohnungen für Berichte von Beinaheunfällen und Sicherheitsverbesserungen gibt und sichergestellt wird, dass die Manager diese Berichte nachuntersuchen. Die Mitarbeiter wissen, dass sie ernst genommen werden, und dies hat ihnen auch dabei geholfen, die Einstellung zur Sicherheit über das gesamte Unternehmen hinweg zu verbessern. Diese Änderung der Einstellung spiegelt sich direkt in einem geänderten Verhalten, was sich wiederum auf die Unfallraten auswirkt.


Kim Jonas weist gerne darauf hin, dass es jetzt einen wahren Firmenstolz gibt. “Die Mitarbeiter sind stolz darauf, für die VELUX-Gruppe zu arbeiten. Sie sind stolz auf das, was sie im Rahmen der Sicherheit erreichen konnten, und darauf, dass sie so eine Menge positiver Energie erzeugt haben. Es kam wirklich zu einer ‚Sensibilisierung‘ für Sicherheit. Ich höre die Leute häufig sagen, dass sie die Sicherheit mit nach Hause nehmen. Bei mir ist es nicht anders. Plötzlich bemerke ich unsichere Verhaltensweisen in Bereichen, über die ich vorher nie nachgedacht habe. Diese Veränderung des Sicherheitsverhaltens hatte unserer Meinung nach auch eine vorteilhafte Auswirkung auf die Produktivität, da die operative Disziplin, die wir in Sachen Sicherheit erreichen konnten, sich auch in unseren anderen operativen Aktivitäten spiegeln werden.”


Greifbarere Ergebnisse ergeben sich aus der Sicherheitsstatistik. Bei einigen der ersten Standorte, die das “Safety Excellence”-Programm eingeführt haben, sind inzwischen mehr als fünf Jahre ohne einen einzigen Arbeitsunfall mit Ausfallzeiten vergangen. Seit Beginn des Programms im Jahr 2010 verzeichnete die VELUX-Gruppe einen Rückgang der Fälle, in denen eine Erstversorgung erforderlich war, von etwa 5.000 im Zeitraum von 2008 bis 2010 auf etwa 2.500 im Jahr 2013. Die Unfallhäufigkeit (Arbeitsunfälle mit Ausfallzeiten pro Million Arbeitsstunden) hat sich seit dem Ausgangswert von sieben vor dem Programm auf eins verringert, den aktuellen Stand vom April 2014. Kim Jonas kennt die Ursache genau. “Unsere Sicherheitskultur hat sich eindeutig verbessert – und jetzt können wir sie auch anhand unserer Sicherheitsbeurteilungen nachverfolgen. Wir konnten unsichere Bedingungen und unsicheres Verhalten im Betrieb reduzieren. Und der Rückgang bei Unfällen und Vorfällen ermöglichte es uns, die versteckten Kosten zu senken. Wir gehen davon aus, dass die Kosten der Einführung dieses Sicherheitsprogramms an all unseren Standorten sich in fünf oder sechs Jahren amortisiert haben werden, obwohl Einsparungen nie das Ziel des Programms waren. Es ging immer darum, unseren Mitarbeitern noch besseren Schutz zu bieten.”


Die VELUX-Gruppe führte eine erste Reihe eigener Beurteilungen der Standortleistung durch, wobei die Einbringung des Managements, die Untersuchung von Vorfällen, die Effektivität der Kommunikation, Beobachtungen und Prüfungen, die Line-Management-Verantwortung und viele andere Bereiche bewertet wurden. Über die gesamte Gruppe hinweg erzielten die Standorte bessere Ergebnisse als bei der ursprünglichen Bewertung durch DuPont. Der VELUX-Standort in Lángfāng, China, wurde außerdem von den lokalen Sicherheitsbehörden als das fortschrittlichste Werk in Sachen exzellenter Sicherheitsstandards in der Hebei-Provinz eingestuft.


Søren Chr. Dahl, Leiter von VELUX Production, sagt: “Ich bin sehr glücklich über die positive Entwicklung unserer Sicherheitsleistung. Unser Gründer formulierte das Ziel aus, ein Modellunternehmen zu sein, das seine Mitarbeiter besser behandelt, als es in den meisten anderen Unternehmen der Fall ist. Daher ist es ganz natürlich, dass die Sicherheit für uns ein Schwerpunkt ist. Ich möchte betonen, dass eine gute Sicherheitsleistung zwar gut für das Geschäft ist, uns die Sicherheit aber wegen unserer Mitarbeiter am Herzen liegt. Ich erkenne eine Verbesserung unserer Sicherheitskultur, aber noch haben wir unser Soll nicht erreicht, also geht unsere Sicherheitsreise mit dem Ziel ‚null Unfälle‘ weiter.”



Aufrechterhalten der Sicherheitsleistung



Die VELUX-Gruppe wird die Umsetzung des im Jahr 2014 gemeinsam mit DuPont entwickelten “Safety Excellence”-Programms abschließen.


Kim Jonas zieht die Bilanz: “Als wir mit dem Programm begannen, waren wir sehr zielstrebig. Wir wollten in der Lage sein, unsere eigenen Beurteilungen durchzuführen, wie DuPont. DSS schulte im Rahmen von Seminaren eigene Bewerter, damit wir die Möglichkeit dazu haben. Jetzt haben wir 20 geschulte VELUX-Sicherheitsbewerter, alle von lokalen Standorten, die inzwischen äußerst fähig Sicherheitsbeurteilungen erstellen. Außerdem fungieren sie als versierte Betreiber des lokalen Wandels. Und jetzt sprechen wir über das gesamte Unternehmen hinweg dieselbe Sicherheitssprache. Wir können alle miteinander sprechen und einander verstehen, von Dänemark bis hin zu Polen, Russland, China und den USA. Wir wissen genau, was mit Begriffen wie ‚Sicherheitstour‘ und ‚Sicherheitskontakt‘ gemeint ist, ganz egal, wo auf der Welt. Das ‚Safety Excellence‘-Programm gab der VELUX-Gruppe ein gemeinsames System an die Hand, mit allgemeinen Problemen umzugehen. Und das gibt uns wiederum das Vertrauen, dass die Verbesserungen an der Sicherheit nachhaltig sein werden – und zwar überall.”